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BCAA sind Leucin, Isoleucin und Valin. Diese drei essenziellen Aminosäuren stecken in vielen proteinreichen Lebensmitteln. Ein zusätzlicher Nutzen isolierter BCAA für Leistung oder Muskelaufbau ist bei ausreichender Proteinzufuhr nicht zuverlässig belegt.
Das Wichtigste:
- BCAA sind Leucin, Isoleucin und Valin.
- Ein zusätzlicher Nutzen isolierter BCAA ist bei ausreichender Proteinzufuhr nicht zuverlässig belegt.
Was sind BCAA genau?
BCAA ist die englische Abkürzung für „branched-chain amino acids“, also verzweigtkettige Aminosäuren. Gemeint sind Leucin, Isoleucin und Valin. Alle drei sind essenziell: Sie müssen über die Nahrung zugeführt werden. Die gelegentlich verwendete Bezeichnung „Interleucin“ ist falsch; korrekt heißt die Aminosäure Isoleucin.
BCAA sind Teil von Proteinen in Milchprodukten, Eiern, Fisch, Fleisch, Soja und anderen Hülsenfrüchten. Sie kommen nicht nur in Pulvern oder Kapseln vor. Auch eine normale Portion proteinreicher Nahrung liefert sie zusammen mit den anderen benötigten Aminosäuren.
Welche Wirkung ist beim Training belegt?
Leucin ist an Signalwegen der Muskelproteinsynthese beteiligt. Daraus folgt nicht, dass isolierte BCAA automatisch mehr Muskeln aufbauen oder Kraft steigern. Für die Bildung neuer Proteine sind auch die übrigen essenziellen Aminosäuren nötig. Das NIH Office of Dietary Supplements beurteilt den zusätzlichen Nutzen von BCAA für Leistung, Muskelaufbau und Erholung bei insgesamt ausreichender Proteinzufuhr als unklar beziehungsweise schwach belegt.
Versprechen zu Fettabbau, konstantem Blutzucker oder verlässlicher Vorbeugung gegen altersbedingten Muskelverlust sind zu pauschal. Körpergewicht, Training, Energie- und Proteinversorgung sowie Erkrankungen müssen getrennt betrachtet werden.
BCAA, EAA und Whey im Vergleich
BCAA liefern drei Aminosäuren, EAA alle neun essenziellen Aminosäuren. Whey Protein ist ein vollständiges Molkenprotein mit EAA, darunter BCAA. Für Personen, die ihren Proteinbedarf decken möchten, ist ein vollständiges Protein oder eine passende Mahlzeit meist die naheliegendere Wahl. Der EAA-BCAA-Vergleich zeigt die Unterschiede im Detail.
Bei veganer Ernährung können Sojaprodukte, Hülsenfrüchte und Getreide kombiniert werden. Die Frage ist nicht, ob ein Lebensmittel die drei BCAA überhaupt enthält, sondern wie sich die tägliche Versorgung insgesamt zusammensetzt.
Wie viel Protein brauchen Sportler?
Für gesunde Erwachsene mit bis zu fünf Stunden Sport pro Woche gilt laut DGE der allgemeine Referenzwert von 0,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht und Tag. Bei mehr als fünf Stunden Training kann je nach Ziel und Belastung ein Bereich von 1,2 bis 2,0 Gramm sinnvoll sein. Diese Werte beziehen sich auf Gesamtprotein, nicht auf BCAA-Pulver.
Ein Ernährungsprotokoll über einige typische Tage hilft mehr als ein pauschales Dosierschema. Berücksichtigen Sie dabei auch Getränke, Snacks und vorhandene Proteinpulver.
Einnahme und Verträglichkeit
BCAA-Produkte gibt es als Pulver, Tabletten und Kapseln. Wenn Sie eines verwenden, richten Sie sich nach dem Etikett und beachten Sie, dass weitere Pulver denselben Stoff enthalten können. Der Zeitpunkt direkt nach dem Training ist keine Voraussetzung für Nutzen. Eine gewöhnliche Mahlzeit im Tagesverlauf ist oft praktikabler.
Wer Nieren- oder Stoffwechselerkrankungen hat, eine medizinische Spezialdiät befolgt oder Medikamente einnimmt, sollte isolierte Aminosäuren vorher fachlich abklären. Lebensmittelallergien und Zusatzstoffe sind ebenfalls ein Grund, die Zutatenliste zu lesen.
Welche Lebensmittel liefern BCAA?
Quark, Joghurt, Käse, Eier, Fisch und Fleisch sind bekannte Quellen. Pflanzlich kommen insbesondere Tofu, Tempeh, Bohnen und Linsen infrage. Die BCAA-Menge schwankt je nach Lebensmittel und Portion; eine sehr kleine Portion Nüsse ersetzt keine vollständige proteinreiche Mahlzeit.
Wer mehr über die gesamte Gruppe wissen möchte, liest den EAA-Überblick. Dort sind alle neun essenziellen Aminosäuren aufgeführt.
Drei typische Situationen
Nach dem Krafttraining: Wer in den nächsten Stunden eine proteinreiche Mahlzeit isst, erhält damit BCAA und die anderen essenziellen Aminosäuren. Bei einer Diät: Wer weniger Energie isst, sollte die gesamte Proteinversorgung und das Training planen. Reine BCAA liefern zwar Aminosäuren, aber kein vollständiges Protein und verhindern einen Muskelverlust nicht zuverlässig. Bei Ausdauersport: Belastungsdauer, Kohlenhydrate, Flüssigkeit und Trainingszustand bestimmen die Leistung wesentlich stärker als eine pauschale BCAA-Portion.
WHO-Bedarfswerte für einzelne BCAA werden manchmal mit Supplementempfehlungen verwechselt. Solche Bedarfswerte beziehen sich auf die gesamte tägliche Zufuhr aus Lebensmitteln und sind keine Dosieranweisung für Kapseln. Vorhandenes Whey, Quark, Eier oder Hülsenfrüchte zählen bei der Einschätzung mit. Wer BCAA kauft, sollte die Einzelmengen von Leucin, Isoleucin und Valin sowie weitere Zutaten prüfen, statt sich nur am Mischungsverhältnis auf der Vorderseite zu orientieren.
Häufige Fragen
Was sind BCAA?
BCAA sind die drei essenziellen, verzweigtkettigen Aminosäuren Leucin, Isoleucin und Valin. Sie sind in vielen proteinreichen Lebensmitteln enthalten.
Muss man BCAA direkt nach dem Training nehmen?
Nein. Für die meisten trainierenden Menschen ist die gesamte Proteinversorgung über den Tag wichtiger als eine feste Minute der BCAA-Einnahme.
David Netzeband schreibt im PharmaSports Magazin über Krafttraining, Muskelaufbau und Sporternährung. In seinen Beiträgen beschäftigt er sich mit Trainingsmethoden, Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln. Außerdem teilt er persönliche Erfahrungen und Selbstversuche aus seinem Trainingsalltag.

