Süßholz-Extrakt wird aus Wurzeln von Glycyrrhiza-Arten hergestellt. Der süße Geschmack hängt unter anderem mit Glycyrrhizin zusammen. Dieser Inhaltsstoff ist zugleich für wesentliche Sicherheitsfragen verantwortlich: Eine erhöhte Exposition kann den Blutdruck und den Kaliumhaushalt beeinflussen. Gewöhnlicher Süßholzextrakt, Tee, Lakritz und weitgehend deglycyrrhizinierte Zubereitungen sind deshalb sorgfältig zu unterscheiden. Traditionelle Verwendung und interessante Laborbefunde ergeben keine allgemeine Empfehlung zur langfristigen Einnahme. Für die Bewertung ist die konkrete Zusammensetzung wichtiger als der angenehme Geschmack oder die pflanzliche Herkunft.

Glycyrrhiza, Glycyrrhizin und DGL

Glycyrrhiza glabra ist eine wichtige Süßholzart; auch andere Glycyrrhiza-Arten werden verwendet. Ein Etikett sollte Art und Wurzelmaterial eindeutig nennen. Der Extrakt enthält mehrere Stoffgruppen, darunter Saponine und Flavonoide. Welche Anteile entstehen, hängt von Verfahren und Ausgangsmaterial ab. Ein hoher Rohstofffaktor beschreibt daher keine einheitliche chemische Zusammensetzung. Für die Sicherheit ist insbesondere der Glycyrrhizingehalt der gesamten Tagesportion relevant.

DGL steht für deglycyrrhizinated licorice. Bei solchen Zubereitungen wurde Glycyrrhizin weitgehend entfernt. Daraus folgt nicht automatisch, dass überhaupt kein Rest enthalten ist oder jede DGL-Formulierung gleich wirkt. Ein Studienbefund zu DGL ist außerdem kein Beleg für gewöhnlichen Süßholzextrakt. Umgekehrt können Risiken einer glycyrrhizinreichen Zubereitung nicht anhand des Wortes Süßholz auf eine beliebige gereinigte Form übertragen werden.

Süßholzprodukte unterscheiden
Aspekt Einordnung Praktische Bedeutung
Wurzeltee Wässriger Auszug Pflanzenmenge und Ziehbedingungen zählen
Gewöhnlicher Extrakt Konzentrierte Wurzelzubereitung Glycyrrhizinmenge prüfen
DGL Glycyrrhizin weitgehend entfernt Restgehalt und Formulierung beachten
Lakritz Lebensmittel mit unterschiedlichen Rezepturen Weitere Zufuhrquelle berücksichtigen
Hautprodukt Äußerliche Anwendung Nicht mit oraler Einnahme gleichsetzen

Traditionelle Anwendungen und klinische Grenzen

Süßholz wurde traditionell unter anderem bei Verdauungs- und Atemwegsbeschwerden verwendet. Das NCCIH zur Süßholzwurzel betont, dass für viele beworbene Anwendungen keine ausreichenden hochwertigen klinischen Belege vorliegen. Untersuchungen zu Gurgellösungen, äußerlichen Gelen oder Kombinationen beantworten jeweils engere Fragen. Ein günstiger lokaler Befund ist kein Nachweis einer allgemeinen Wirkung oral eingenommener Kapseln.

Für Verdauungsbeschwerden muss zudem zwischen einer einzelnen Pflanze und einer Kräutermischung unterschieden werden. Wenn mehrere Bestandteile gemeinsam geprüft wurden, lässt sich ihr Ergebnis nicht sicher einer Zutat zuschreiben. Auch der natürliche Verlauf von Beschwerden spielt eine Rolle. Eine Besserung ohne geeignete Kontrolle ist weniger aussagekräftig als ein reproduzierbarer Vorteil gegenüber einer passenden Vergleichsgruppe. Tradition erklärt einen Anwendungskontext, ersetzt aber diese Prüfung nicht.

Warum Glycyrrhizin den Blutdruck beeinflussen kann

Glycyrrhizin beziehungsweise seine Stoffwechselprodukte können die Regulation der Cortisolwirkung im Mineralstoffhaushalt beeinflussen. Dadurch können Natrium und Flüssigkeit zurückgehalten werden und Kalium verloren gehen. Die Folgen können sich unter anderem in erhöhtem Blutdruck oder Muskelschwäche zeigen. Diese Vorgänge sind kein erwünschter Energiekick. Ein mögliches kurzfristiges subjektives Gefühl von mehr Antrieb sollte deshalb nicht als Beweis einer gesunden Stressanpassung gelesen werden.

Eine randomisierte Crossover-Studie zur täglichen Lakritzzufuhr untersuchte eine definierte Glycyrrhizinsäuremenge und fand Änderungen von Blutdruck sowie hormonellen Regulationsgrößen. Die Arbeit unterstreicht, dass vermeintlich niedrige Mengen nicht automatisch für jede Person unproblematisch sind. Eine ältere Interventionsstudie zur Dosis-Wirkungs-Beziehung von Lakritz und Blutdruck liefert ergänzenden Kontext. Die jeweiligen Rezepturen und gemessenen Stoffformen sollten dabei nicht miteinander verwechselt werden.

Welche Personen besonders sorgfältig prüfen sollten

Bei Bluthochdruck, Herz- oder Nierenerkrankungen ist eine eigenständige Ergänzung glycyrrhizinhaltiger Präparate besonders ungünstig. Auch Medikamente können die Bedeutung von Flüssigkeits- und Elektrolytveränderungen erhöhen. Dazu zählen je nach Situation etwa entwässernde Mittel oder weitere Arzneimittel, deren Verträglichkeit vom Kaliumhaushalt abhängt. Die konkrete Kombination muss fachlich beurteilt werden. Ein allgemeiner Einnahmeabstand löst solche physiologischen Effekte nicht zuverlässig.

Für Schwangerschaft und Stillzeit sind konzentrierte Präparate nicht mit üblichen Lebensmittelanwendungen gleichzusetzen. Auch Kinder gehören nicht in einen aus Erwachsenenstudien abgeleiteten Einnahmeplan. Wer neue Schwäche, Herzstolpern, Schwellungen oder auffällige Blutdruckwerte beobachtet, sollte zusätzliche Zufuhr beenden und die Situation medizinisch einordnen lassen. Ausgeprägte akute Beschwerden benötigen rasche Hilfe. Ein weiterer Supplementversuch mit Kalium ist keine sichere Selbstbehandlung.

Sicherheitscheck für die Tageszufuhr
Aspekt Einordnung Praktische Bedeutung
Glycyrrhizin Milligramm pro Tagesportion bekannt? Extraktmasse allein reicht nicht
Weitere Quellen Tee, Lakritz und Mischpräparate? Gesamte Exposition betrachten
Blutdruck Bestehende erhöhte Werte? Vorherige fachliche Prüfung
Medikamente Elektrolyte oder Corticosteroide relevant? Vollständige Liste vorlegen
Dauer Langfristige tägliche Einnahme geplant? Keine pauschale Sicherheit annehmen

Extraktverhältnisse und Prozentangaben berechnen

Ein Verhältnis wie 10:1 beschreibt ein angegebenes Verhältnis von Pflanzenmaterial zu Extrakt. Es nennt keine feste Glycyrrhizinmenge und beweist keine therapeutische Stärke. Bei einer Prozentangabe muss zusätzlich die Extraktmasse berücksichtigt werden. Enthält die Tagesportion beispielsweise eine bestimmte Extraktmenge mit einem deklarierten Anteil, ergibt deren Multiplikation die rechnerische Markermenge. Entscheidend ist der Bezug auf die gesamte tägliche Kapselzahl.

Die Rechnung bleibt nur so verlässlich wie die zugrunde liegende Deklaration. Ein chargenbezogener Prüfbericht kann helfen, wenn Methode, Probe und Ergebnis nachvollziehbar sind. Eine allgemeine Aussage wie besonders rein beantwortet die Mengenfrage nicht. Bei DGL sollte außerdem erkennbar sein, wie der verbleibende Gehalt bewertet wurde. Gleiche Extraktmassen können je nach Herstellung unterschiedliche Expositionen erzeugen. Ein Produktvergleich benötigt deshalb mehr als eine möglichst große Zahl auf der Vorderseite.

Laborversprechen, Verdauungsbeschwerden und praktische Entscheidung

Antimikrobielle oder antivirale Effekte in Zellkultur sind keine Anleitung zur Behandlung einer Infektion. Im Labor können Konzentrationen verwendet werden, die nach oraler Einnahme nicht sicher erreicht werden. Zusätzlich fehlen damit Aussagen zu klinischen Beschwerden und unerwünschten Folgen. Auch ein Effekt an isolierten Entzündungswegen ist kein umfassender Wirksamkeitsnachweis. Eine konkrete Humanstudie muss zum Präparat und zur Anwendung passen.

Bei anhaltenden Verdauungsbeschwerden zählt zunächst die Ursache. Schmerzen, wiederkehrende Probleme oder Warnzeichen sollten nicht durch wechselnde Pflanzenpräparate verdeckt werden. Für einen Vergleich anderer Rohstoffe helfen Ingwer und Kurkuma, ohne deren Daten auf Süßholz zu übertragen. Bei Blutdruckfragen bietet der Artikel zum Umgang mit erhöhtem Blutdruck weiteren Kontext. Süßholz ist damit ein Beispiel dafür, dass Geschmack, Tradition und Sicherheit getrennt bewertet werden müssen. Ein nachvollziehbarer möglicher Nutzen muss stets gegen die konkrete Glycyrrhizinexposition abgewogen werden.

Gesamtexposition statt einzelner Kapsel betrachten

Ein Beispiel verdeutlicht die Mengenfrage: Eine Person verwendet täglich einen Süßholztee, gelegentlich Lakritz und zusätzlich ein Kräuterpräparat. Auf jeder einzelnen Verpackung kann die Portion klein erscheinen. Für den Körper entstehen daraus dennoch keine getrennten Sicherheitsbereiche. Die relevanten Inhaltsstoffmengen müssen gemeinsam betrachtet werden. Fehlt bei einem Produkt eine Glycyrrhizinangabe, lässt sich die Summe nicht zuverlässig berechnen. Genau diese fehlende Information ist ein Grund zur Rückfrage und kein Beleg für eine geringe Belastung.

Auch der Zeitpunkt löst das Problem nicht automatisch. Eine Veränderung des Mineralstoff- und Flüssigkeitshaushalts kann über die unmittelbare Einnahme hinaus relevant sein. Der Vorschlag, verschiedene Produkte nur über den Tag zu verteilen, beantwortet daher keine grundlegende Sicherheitsfrage. Ebenso wenig ist ein ausgeprägter süßer Geschmack ein brauchbarer Mengenmesser. Rezepturen können zusätzliche Süßungsmittel und andere Pflanzen enthalten. Für eine fachliche Prüfung sind vollständige Etiketten hilfreicher als Geschmacksbeschreibungen.

Bei DGL steht wiederum eine andere Frage im Vordergrund: Wie weit wurde Glycyrrhizin entfernt und für welche Anwendung ist diese Formulierung untersucht? Ein günstiger Befund eines lokal angewendeten Produkts kann nicht pauschal auf geschluckte Kapseln übertragen werden. Material, Restgehalt, Anwendungsweg und klinischer Endpunkt gehören zusammen. Diese genaue Zuordnung verhindert, dass ein Sicherheitsargument für eine Zubereitung als Wirksamkeitsbeweis für sämtliche Süßholzprodukte verwendet wird.

Häufige Fragen zu Süßholz-Extrakt

Kann Süßholz den Blutdruck erhöhen?

Ja. Glycyrrhizin kann den Mineralstoff- und Flüssigkeitshaushalt beeinflussen. Blutdruckanstieg und Kaliumverlust sind wichtige Risiken. Besonders bei Herz- oder Nierenerkrankungen und regelmäßiger Medikation ist eine fachliche Prüfung erforderlich.

Was ist DGL?

DGL bezeichnet Süßholz, aus dem Glycyrrhizin weitgehend entfernt wurde. Es ist nicht automatisch chemisch identisch mit gewöhnlichem Süßholzextrakt. Die tatsächlich verbliebene Menge und die untersuchte Formulierung müssen berücksichtigt werden.

Beweisen Laborbefunde eine Behandlung von Infektionen?

Nein. Eine Hemmung in Zellkultur ist keine klinische Wirksamkeit beim Menschen. Aufnahme, erreichbare Konzentration und Verträglichkeit unterscheiden sich. Süßholz ersetzt keine erforderliche Diagnostik oder Behandlung.

Sind Tee und Kapsel gleich zu bewerten?

Nicht ohne Mengenangaben. Pflanzenmenge, Auszug und Glycyrrhizingehalt können stark abweichen. Auch Süßholz aus mehreren Lebensmitteln und Präparaten kann sich addieren. Eine harmlose Küchentradition beweist keine sichere konzentrierte Daueranwendung.

Kann ich Kalium einfach ergänzen, um das Risiko auszugleichen?

Nein. Ein Supplementversuch ist keine sichere Lösung für eine mögliche hormonähnliche Störung durch Glycyrrhizin. Kaliumgaben können selbst problematisch sein. Auffällige Beschwerden und vermutete Elektrolytstörungen gehören medizinisch abgeklärt.

Quellen und weiterführende Fachliteratur

David Netzeband schreibt im PharmaSports Magazin über Krafttraining, Muskelaufbau und Sporternährung. In seinen Beiträgen beschäftigt er sich mit Trainingsmethoden, Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln. Außerdem teilt er persönliche Erfahrungen und Selbstversuche aus seinem Trainingsalltag.